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Wie viel Wohnmobil braucht der Mensch?

Die erste große Wohnmobil-Messe naht (Caravan-Salon Düsseldorf, 31.08.-08.09.2013) und jeder potenzielle Kauf-Interessent steht vor der Frage: Wie viel Wohnmobil soll und muss es denn sein?

Eine Checkliste könnte wie folgt aussehen:
Welche Preis-Obergrenze ist zu setzen? Im Preissegment unter 100.000 Euro wird selten ein Käufer das Wohnmobil so vom Hof des Händlers fahren wollen wie es zum Grundpreis angeboten wird. Die Aufpreis-Listen sind meist lang, wenngleich immer häufiger so genannte Pakete angeboten werden, die einen gewissen Preisvorteil bieten.
Auch wenn die Praxis dagegen spricht: Ein Wohnmobil ist Freizeit und lediglich ein schönes Stück Unabhängigkeit. Beides sollte man vorab bezahlen – und nicht (oder wenigstens nicht erheblich) finanzieren.

Ein Kastenwagen erfüllt bereits alle Ansprüche an wohnmobilen Komfort.

Ein Kastenwagen erfüllt bereits alle Ansprüche an wohnmobilen Komfort.

 

Ebenso sollten bei der Wahl des Wohnmobils die Folgekosten beachtet werden (Maut- und Fährtarife, Stellplatzkosten, usw.). Aufs Jahr umgelegt entstehen mit Inspektion, Ölwechsel, Kfz.-Steuer und Versicherungsprämien sowie Verschleißreparaturen mindestens Zusatzkosten in Höhe von 1.000 Euro (und mehr). Auch sollte anhand von Erfahrungswerten der Händler taxiert werden, wie es um einen möglichen Wiederverkauf (Stichwort: Wertverlust) bestellt ist.
Weitere wichtige Fragen, die es vor dem Kauf zu beachten gilt:  Was kosten die gängigen Ersatzteile? Welche Ölwechsel-Intervalle schreibt der Hersteller vor? Hat das Fahrzeug einen Zahnriemen oder eine Steuerkette (wartungsfrei)? Wer sich für einen Dreiachser oder Zwillingsbereifung auf der Hinterachse entscheidet, muss zwangsläufig höhere Kosten für die Bereifung kalkulieren.

Jedes Mehr an Größe und Komfort kostet Geld. Schnell auch viel Geld! Die Fahrzeuglänge (auch das zulässige Gesamtgewicht) spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Jenseits der 6 Meter wird es auf Mautstrecken und Fähren schnell teuer. Gerade zu Ferienzeiten kann es unterwegs auch eng werden, wenn ein Parkplatz benötigt wird. Bei jedem Ausstattungsdetail kann es sehr hilfreich sein, sich jeweils die Frage zu beantworten: Brauche ich es – oder nicht?

Welchen Führerschein besitze ich, welches Wohnmobil darf ich damit überhaupt fahren? Wer über einen alten Führerschein der Klasse 3 (B) verfügt, darf Reisemobile und Pkw-Anhänger-Kombinationen bis 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht fahren. Anders sieht es für Inhaber normaler Führerscheine der Klasse B aus: Sie dürfen nur Reisemobile bzw. Pkw-Anhänger-Kombinationen bis 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht bewegen. Dickschiffe von mehr als 7,5 Tonnen dürfen nur Besitzer eines Lkw-Führerscheins fahren.
Welches Wohnmobil ist nun das Richtige? Das hängt vor allem von zwei Dingen ab: Wie viele Personen sollen mitreisen – und welche Art von Reisen soll hauptsächlich unternommen werden. Wer mit der mehrköpfigen Familie hauptsächlich von A nach B fährt, um dann dort auf dem Campingplatz seinen Urlaub zu verbringen, ist beim Reisemobil eigentlich falsch – da kommt jeder Caravan günstiger!

Mit einer solchen Anzahlung geht noch kein Lichtlein auf!

Mit einer solchen Anzahlung geht noch kein Lichtlein auf!

Kurz und knapp: Ohne Moos nix los beim Wohnmobil-Kauf. Dass die Preisskala beim Integrierten nach oben weitaus offener ist als beim Kastenwagen, versteht sich von selbst. Einen Kastenwagen in den sechsstelligen Bereich zu treiben ist eher ungewöhnlich, bei Integrierten fängt der wohnmobile Spaß dort erst richtig an.
Selbstredend sind Wohnmobile auch dazu da, in Familie zu verreisen. Allein meine eigene wohnmobile Praxis zeigt, dass vornehmlich Paare unterwegs sind. Und meistens haben diese bereits ein paar graue Haare. Selbst wohnmobile Dickschiffe haben selten mehr als zwei Reisende an Bord. Möge sich jeder selbst die Frage beantworten, wie groß die Urlaubsfreude noch ist, wenn in einem sechs Meter langen Kastenwagen vier Menschen auf Grund strömenden Regens draußen dazu verdonnert sind, sowohl morgendliche Dusche als auch Frühstück auf engstem Raum zu „absolvieren“!

Wie viel Wohnmobil braucht der Mensch also nun? Meine Antwort: So viel wie nötig – nicht so viel wie möglich.

Mit dem Basisfahrzeug beginnt die Qual der Wahl. Egal ob Kastenwagen oder Integrierter – ein Fahrgestell, vier Räder und ein Motor müssen dabei sein. Für Gefährte bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht stellen meist europäische Transporter mit Dieselmotoren aus italienischen, französischen oder deutschen „Schmieden“ die Basis.
Ob es nun ein Mercedes-, VW-, Fiat-, Peugeot-, Iveco-, Citroen-, Opel- oder Renault-Unterbau werden soll, entscheiden wieder Marken-Vorlieben und der Geldbeutel.

Alkoven-Mobile bieten sich für Familien mit Kindern an und sind oft preisgünstig zu haben.

100 PS werden bei den Motoren kaum mehr unterschritten. Auch wenn der Weg das Ziel ist und Reisemobilisten reisen (und nicht rasen!): Vor allem in den Bergen und bei längeren Autobahnfahrten machen sich ein paar PS mehr sehr angenehm bemerkbar. Für schwerere Wohnmobile sind PS jenseits der 130er-Marke unverzichtbar. Was die Langlebigkeit anbelangt, ist m. E. Hubraum durch gar nichts zu ersetzen!
Die Bereifung sollte man getrost dem Hersteller überlassen. Einzig so genannte Ganzjahresreifen lehne ich aus Überzeugung und eingedenk fachmännischen Rats ab. Wer je ein Wohnmobil bei winterlichen Bedingungen fuhr, wird die Vorzüge eines hochwertigen Winterreifens auf immer zu schätzen wissen.
Schönes muss und kann nicht immer praktisch sein. Womit ich bei den Felgen wäre. Üblicher Weise kommen Wohnmobile auf Stahlfelgen daher, wenngleich mehr und mehr Leichtmetallfelgen zusehen sind. Ein teures und leicht zu beschädigendes, wenngleich optisch ansprechendes Utensil.

Die PS, die Aufbauart und das Gesamtgewicht sorgen für mehr oder weniger Kraftstoff-Verbrauch. „Traumtänzer“ bewegen ein 3,5-Tonnen-Alkovenfahrzeug zwar mit weniger als acht Litern Diesel/100 Kilometer – realistisch ist dies aber nicht! Im Drittelmix läuft das Gros aller Reisemobile mit einem Hochdach bei normaler Fahrweise selten unter zehn bis zwölf Litern. In den Bergen und bei zügiger Autobahnfahrt (130 km/h) schon gar nicht.
Der benötigte Kraftstoffvorrat ist ein heiß debattiertes Thema. Nur wer sich hauptsächlich abseits der Zivilisation bewegt, sollte über einen größeren bzw. einen Zusatztank (hohe Einbau- bzw. Nachrüstkosten!) nachdenken.

Wohnmobiler Komfort, auf den wenige verzichten wollen. Im Campingbus tut es auch ein portables WC.

Wohnmobiler Komfort, auf den wenige verzichten wollen. Im Campingbus tut es auch ein portables WC.

Ob man ein Fahrzeug mit Schalt- oder Automatikgetriebe wählt, ist von persönlichen Vorlieben und dem individuellen Geldbeutel abhängig. Ebenso, ob ein Fahrzeug mit Front- oder Heckantrieb gewählt wird. Wer auch im Winter viel unterwegs ist, fährt sicher mit dem Frontantrieb besser. Wer ein Neufahrzeug anschafft, sollte auf ABS, Airbag & Co. nicht verzichten.

Eine Klimaanlage im Fahrerhaus halte ich für ein Muss! Sie sorgt bei längeren Fahrten im Hochsommer für deutlich geringere Ermüdungserscheinungen – und macht das Reisen einfach entspannt und angenehm!
Eine Standklimaanlage werden wohl nur die aufpreispflichtig ordern, die beabsichtigen, längere Zeit an einem Ort zu stehen, wo auch 230 Volt-Anschlüsse verfügbar sind.
Beim Einstieg an der Haupttür des Wohnmobils ist eine (elektrisch) ausziehbare Trittstufe mehr als dienlich. Moderne Elektronik hilft in den meisten Fällen zu verhindern, dass man mit ausgezogener Stufe los fährt.

Ein Navigationsgerät sollte heutzutage nie fehlen, ich würde aber stets ein nicht fest eingebautes bevorzugen! Eine vollautomatische Sat-Anlage mit allem, was dazu gehört, ermöglicht zwar an kühlen und regnerischen Tagen einen angenehmen Fernseh-Abend. Aber: Wie oft wird da wirklich benötigt? Eine Kosten-Nutzen-Rechnung ist angeraten.
Der Sinn von Nebelscheinwerfern ist unbestritten. Und wer jemals längere Strecken mit Tempolimit gefahren ist, wird die Vorzüge eines Tempomats kennen und schätzen gelernt haben. Für ebenfalls unverzichtbar halte ich eine Zentralverriegelung sowie elektrisch verstellbare (möglichst auch beheizbare) Außenspiegel.
Ein für viele Verwendungszwecke nützliches Zubehör ist eine Anhängerkupplung. So bitter es klingen mag: Weniger, um einen Anhänger zu ziehen – vielmehr als Rammschutz! Gerade für diejenigen, die erstmals nur mit Außenspiegeln rückwärts fahren, ist es oft ein Segen gewesen.
Wer gern und viel Fahrrad fährt, für den ist ein Heckträger sicherlich nützlich. Ein „Dachgarten“ macht Sinn bei einem günstig erworbenen Gebrauchten, das Neufahrzeug sollte so gewählt sein, dass dieser überflüssig ist.

Ein sogenanntes Festbett bietet viele Vorteile (z. B. kein Umbau notwendig), beansprucht aber auch Platz.

Ein sogenanntes Festbett bietet viele Vorteile (z. B. kein Umbau notwendig), beansprucht aber auch Platz.

Als Faustregel kann gelten: Das Basisfahrzeug (neu) macht bei einem Kastenwagen – je nach Reisemobil-Typ – die Hälfte des Gesamtpreises aus. Je hochwertiger der Ausbau – umso mehr tritt der Preis des Basisfahrzeugs in den Hintergrund.
Hoch und kurz oder doch lieber lang und breit? Bei einer Investition von mehreren 10.000 Euro gilt es, den richtigen Aufbau-Typ zu finden, mit dem man auf Urlaubsreisen ohne Hotelzwang glücklich werden kann. Das erste, was vor dem Kauf zu klären ist, ob man ein Wohnmobil oder ein Reisemobil möchte. Beim Reisemobil liegt, wie der Name schon sagt, der Schwerpunkt auf dem Reisen. Das Fahrzeug sollte also entsprechend kompakt und wendig sein – und wäre somit auch alltagstauglich. Dann ist es ideal für all diejenigen, die nicht länger als zwei, drei Tage an einem Ort bleiben wollen und in der Regel zu zweit unterwegs sein wollen. Die Unterschiede:
Demgegenüber muss ein Wohnmobil vor allem über ausreichend Platz und Bequemlichkeit für einen längeren Aufenthalt an einem Ort verfügen. Einige Randglossen habe ich bereits einführend gemacht.

Ein weiterer Punkt sind die anvisierten Reiseziele. Stehen häufiger enge Gassen in romantischen Altstädten oder Winzerorten auf dem Programm, lässt man die Finger von einer Land-Yacht mit üppigen Abmessungen. Wer bei seinen Urlaubsreisen häufig auf Fährverbindungen und Mautstrecken angewiesen ist, wird schnell merken, dass längere Mobile richtig ins Geld gehen, da die (Ab)Kassierer nach Fahrzeuglänge, Zahl der Achsen und Gesamtgewicht abrechnen.
Was muss (soll) das Wohn/Reisemobil können? Wer zu zweit reist – und nicht tagelang auf einem Campingplatz „vermassen“ möchte – ist mit einem Kastenwagen oder einem kurzen teilintegrierten Wohnmobil super bedient. Wer nur an Wochenenden und im Haupturlaub unterwegs ist, wird eher Wert auf Komfort legen. Wer viel mitführen möchte (Moped, Fahrräder, Boot, Surfbrett) wird hier seine persönliche Duftmarke setzen. Je mehr das Wohnmobil den heimischen vier Wänden ähneln soll, umso größer der Aufbau!
Was muss unbedingt sein: Gute Sitzplätze, um zu reisen und ausreichend Platz zum Schlafen. Denn die meiste Zeit verbringt man in seinem mobilen Zuhause sitzend oder liegend! Ebenso unabdingbar ist eine Kochgelegenheit. Es muss möglich sein, im geschlossenen Fahrzeug warme Mahlzeiten zuzubereiten. Ohne Wasser? Geht gar nicht!

Wer nie das Köpfchen einziehen möchte, muss einen Aufbau wählen, der Stehhöhe garantiert. Das ist bei Campingbussen und kompakten Reisemobilen fast nie der Fall (allerdings passen diese meist in eine bereits vorhandene Garage!). Die Höhe des Dachs wirkt sich unweigerlich auf den Kraftstoffverbrauch aus und kann auch in Altstädten oder niedrigen Tunneln zum Problem werden.

Ein integriertes Wohnmobil bietet viel Raumgefühl, hat aber auch entsprechende Maße!

Ein integriertes Wohnmobil bietet viel Raumgefühl, hat aber auch entsprechende Maße!

Der notwendige Platz bestimmt letztlich die Größe des Aufbaus. Wer mit vier und mehr Personen unterwegs sein möchte, kommt um ein Alkoven-Modell – oder größer – eigentlich nicht herum. Wer schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, sollte davon Abstand nehmen – wer will schon ständig eine Leiter hoch und runter steigen?
Kurz und bündig: Bei zwei Personen würde ich als Reisemobil stets ein kompaktes Fahrzeug bevorzugen, als Wohnmobil einen komfortablen Integrierten. Letztlich glaube ich aber fest daran, dass bei (fast) jedem der Geldbeutel bei der Qual der Wahl den entscheidenden Ausschlag gibt.

Andreas Kühn

(Fotos u. Bilder von Andreas Kühn)

2 Kommentare

  1. Wohnmobil ist schon was Tolles. In Spanien habe ich ein deutsches Ehepaar getroffen. Der Mann war vlt. 75 Jahre und tourte immer noch mit seinem Wohnmobil durch Europa. Fand ich echt cool.

    Der gab mir auch einen guten Tipp: In Städten immer vor Banken parken, wenn man mal sein Wohnmobil stehen lässt. Grund: Die sind immer videoüberwacht. Auch von außen.

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