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Warum Blogger keine Journalisten sind

Es muss aus aktuellem Anlass wieder einmal aufgegriffen werden: Die alte Diskussion, ob Blogger Journalisten sind oder nicht. Fragen rund um Blogger vs. Journalisten werden derzeit einmal mehr heiß diskutiert. Anlass ist, dass die Pressestelle des Bundestags regelmäßig Blogger abweist. Sie erhalten keinen Presseausweis und dürfen somit nicht zu Pressekonferenzen des Bundestags.

Auch im Jahre 2014 scheint es vielen noch nicht klar zu sein, dass zahlreiche Blogger – nicht nur Politblogger – hauptberuflich journalistisch arbeiten. Sie verdienen mit ihren Blogs ihren Lebensunterhalt. Daher benötigen sie auch Zugang zu Informationen, denn diese sind praktisch ihr Arbeitsmittel.

Blogger haben im Gegensatz zu Journalisten die Möglichkeit, Themen tiefer zu recherchieren und unabhängig zu berichten, da sie nicht von einer Zeitung oder einem Verlag abhängig sind. Das ist ein Vorteil, den zahlreiche Unternehmen bereits erkannt haben. Doch scheint es immer noch Journalisten, Unternehmen und Institutionen zu geben, die in Bloggern ein „Feindbild“ sehen. Blogger sind für sie immer noch „irgendwelche Schreiberlinge aus dem Internet“. Dass sich viele Blogger an den Pressekodex halten oder einen eigenen Kodex aufgestellt haben und seriös und objektiv berichten, scheint bei vielen noch nicht angekommen zu sein.

Journalisten können Blogger sein, wenn sie einen eigenen Blog betreiben. Blogger können dagegen keine Journalisten sein. Bloggern und Journalisten haben aber gemeinsam, dass beide Berufe keine geschützten Berufsbezeichnungen sind. Journalisten haben oft ein Studium oder ein Volontariat absolviert; Blogger haben meist keine einschlägige Ausbildung. Doch sie verfügen über ein sehr großes Fachwissen in ihrem Bereich, dass die für ihre Blogtexte verwenden und damit zum Teil eine große Leserschaft erreichen.

Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass Blogger interessante Pressepartner sind, und bauen gezielt Blogger Relations auf. Wünschenswert wäre es, wenn auch andere Institutionen Blogger nicht mehr als „Feinde“ sehen würden, sondern sie integrieren und mit ihnen zusammenarbeiten!

3 Kommentare

  1. „Blogger haben im Gegensatz zu Journalisten die Möglichkeit, Themen tiefer zu recherchieren und unabhängig zu berichten, da sie nicht von einer Zeitung oder einem Verlag abhängig sind. Das ist ein Vorteil, den zahlreiche Unternehmen bereits erkannt haben.“

    Diese Aussage hört man von Bloggern immer wieder, und sie ist – mit Verlaub: Bullshit!

    Die Abhängigkeit von einem Verlag, der fest angestellte Journalisten unterliegen (und nur solche, es gibt auch genügend freie Journalisten, die nicht nur für einen Verlag arbeiten) hält sie nicht davon ab, ihre journalistische Arbeit zu tun. Im Gegenteil: Sie ermöglicht es ihnen, sie zu tun. Denn der Verlag bezahlt seine Journalisten nicht dafür, dass sie das schreiben, was der Verlag will (der Verlag hat meistens überhaupt keine festgefügte Meinung, was er eigentlich lesen will). Sondern er bezalt sie dafür, dass sie die Themen aufgreifen, recherchiern und darüber berichten, die für die Leser von Interesse sind. Durch seine Bezahlung schafft der Verlag die Möglichkeit, dass die Autoren unabhängig arbeiten können, weil sie einen Lebensunterhalt haben.

    Die Frage muss im Gegenteil lauten: Wenn ein Autor zeitintensiv journalistisch arbeitet und sich dafür nicht von seinem Medium bezahlen lässt: Warum macht er das dann? Und: Wovon lebt er, während er diese unbezahlte Arbeit tut.

    Nach meiner Beobachtung gibt es drei verschiedene Typen Blogger mit journalistischem Auftritt:

    1.) Journalisten, die anstatt für eine Zeitung zu arbeiten und sich vom Zeitungsverlag bezahlen zu lassen, selbst eine Zeitung im Netz herausbringen. Sie finanzieren sich, indem sie Werbung auf ihr Blog stellen und von den Erlösen leben (sehr schwierig), außerdem nutzen sie das Blog als Selbstvermarktungsplattform, preisen also ihre Bücher oder sich selbst als Autor an. WICHTIG: Diese Blogger unterliegen potenziell denselben Abhängigkeitsmechanismen wie festangestellte Journalisten: Wer einen zahlenden Werbekunden hat, wird alles tun, um ihn nicht zu verprellen. In der Praxis ist dies bei Bloggern noch viel ausgeprägter als bei Zeitungsleuten, denn erstens ist ihre Einnahmensituation viel prekärer und zweitens sind sie selbst ihr Anzeigenleiter und bekommen die Einflussnahme der Werbekunden ungepuffert mit.

    2.) Fachleute, die beruflich mit einem Thema zu tun haben. Natürlich kann ein bloggender SEO-Spezialist tiefer ins Thema SEO einsteigen als die meisten Journalisten. Aber wenn alles, was er schreibt, dem Ziel dient, sich potenziellen Kunden als Dienstelister anzubieten, dann ist das kein ergebnisoffener Journalismus, sondern zweckgebundene PR.

    3.) Amateure. Ihnen fehlen in der Regel die Ausbildung, die Zeit und die Ressourcen für ernsthafte journalistische Arbeit. Zudem sind sie außerordentlich bestechlich. Ich weiß aus der PC-Industrie, was Gaming-Blogger alles zu tun bereit sind, damit ein hersteller ihnen eine Grafikkarte zur Verfügung stellt (schenkt). Bei einer PC-Zeitschrift würde das nie funktionieren.

    Die Unterscheidung Journalist/Blogger ist sehr einfach zu treffen: Ein Journalist ist jemand, der von seiner journalistischen Arbeit lebt. Ein solcher hat auch Anspruch auf einen Presseausweis. Andere nicht. Wowereit.

    • @Elisabeth: sehr guter Artikel! Wurde mal Zeit, dass das jeman ausspricht!

      @Frank:

      Seit wann brauche ich ein journalistisches Studium um gut recherchierte journalistische Beiträge / Texte / Artikel zu schreiben bzw. zu veröffentlichen?

      Deutsche Zeitungen / Redaktionen / Verlage und unabhängig?

      Ich lebe nicht in Deutschland geschweige denn Europa und lese und konsumiere auf der anderen Seite des Planeten auch und vor allem russische und asiatische Medien.

      Deutsche Medien und nicht zensiert?

      Selbst Youtube wird inzwischen von der britischen Regierung offiziell (!) kontrolliert.

      So wie es sich anhört areitest du selbst als Journalist?

      Zeig mir 10 deiner System kritischen Beiträge zu den Themen ESM, Nato, Ukraine, Syrien, Lybien, Israel (bitte ausschließlich Artikel, die in den heißen Phasen der Entscheidungsfindung von Abgeordneten, Gerichten, etc. veröffentlicht wurden) und ich akzeptiere alles was du sagst. :)

  2. Elisabeth Gieseler

    Danke Jonas.

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