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Politische Statements in der Bloggerszene?!

Was ist da los in der politisch-globalen Bloggerszene? Kann sich noch jemand erinnern? Vor ca. 1 ½ Jahren wurde der chinesische Künstler Ai Weiwei von den chinesischen Behörden für 81 Tage an einem unbekannten Ort festgehalten. Niemand wusste, was mit ihm geschieht, niemand gab Auskunft darüber, wo er war.

Ai Weiwei ist ein bekannter chinesischer Regimekritiker, der bereits viele politische Aktionen durchgeführt hat, die seiner Kritik am Regime eindeutig Ausdruck geben. Er beklagt vor allem, dass die chinesische Regierung die Bürgerrechte missachte. Ai Weiwei wurde jüngst wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Kurz darauf wurde seiner Designfirma Beijing Fake Cultural Development die Lizenz entzogen, teilte der Künstler selbst mit. Weiwei teilte außerdem mit, dass die Behörden nötige Dokumente für die ordnungsgemäße Registrierung seines Unternehmens beschlagnahmt hätten und es ihm dadurch unmöglich gewesen sei, das Unternehmen korrekt anzumelden.

Erst letzte Woche wurde ein anderer Fall von Regimeunterdrückung bekannt. Der iranische Blogger Sattar Beheshti hatte mit seinem Blog für Meinungsfreiheit im Iran gekämpft. Der 35-jährige wurde laut Angaben seiner Familie am 30. Oktober von der iranischen Polizei inhaftiert. Am 7. November wurde der Familie Beheshti `s Tod mitgeteilt. Augenzeugen berichten, dass er im Teheraner Evin-Gefängnis zu Tode gefoltert worden sei.

Grund für seine Inhaftierung wären seine „actions against national security on social networks and Facebook” gewesen, so BBC world. Die iranischen Behörden teilten mit, dass Beheshti aus Krankheit gestorben sei. Seine Schwester zweifelt dies jedoch an, da er sich vorher bester Gesundheit erfreute.

Beide Fälle sind selbstsprechend für die Entwicklung der Meinungsfreiheit in diesen beiden Ländern. Ai Weiwei muss mit der Gewissheit leben, dass er jeden Tag von der Regierung angeklagt oder inhaftiert werden könnte. Er hat es sich jedoch zum Ziel gemacht, frei zu leben und seine Meinung in seinem Blog aiweiwei.com (Seite zurzeit nicht verfügbar) frei zu äußern. Der große Medienanklang und seine Aktivität auf mehrere Social-Media Kanälen hat ihm bereits sehr viel Aufmerksamkeit weltweit gebracht. Erst Anfang diesen Jahres erschien die Dokumentation „Ai Weiwei: Never sorry“, die international sehr gute Kritiken bekam und das Leben des Künstlers in China porträtiert. Der iranische Blogger Sattar Beheshti war laut Aussagen anderer iranischer Journalisten nicht so bekannt in der Bloggerszene.

Spricht dieser Fakt dafür, dass eine erweiterte Anhängerschaft, die Wahrscheinlichkeit verringert, dass man mit politischer Kritik in einem Regime sein Leben auf`s Spiel setzt? Wie gefährlich ist das Bloggen? Beide Beispiele zeigen, dass man als Blogger unter anderem auch mit seinem Leben spielt, lebt man in einer Gesellschaft, in der man sich nicht frei äußern kann. In Deutschland muss man sich darüber weniger Sorgen machen. Aber wichtig ist es zu wissen, dass veröffentlichte politische Statements gesehen, gelesen und verbreitet werden. Politische Äußerungen bzw. Kritik sind immer mit Bedacht und Obhut zu wählen.

Es ist ein schwieriger Grad zu entscheiden, ob eine politische Äußerung veröffentlicht werden sollte oder aus Sicherheitsgründen eher nicht. Einerseits vertreten Regimekritiker natürlich eine Meinung, die, wenn sie nicht öffentlich gemacht wird, keinen Anklang finden kann. Öffentlichkeit bedeutet in diesem Zusammenhang aber auch, dass Regimebefürworter diese Meinung sehen und ihnen somit bekannt wird, wer wie zu welchem Thema steht. In Gesellschaften, die Regimekritik unterbinden – mit welchen Mitteln auch immer – begibt man sich als Blogger deshalb auch immer auf dünnes Eis.

Wie steht ihr dazu? Gehören politische Statements in Blogs?

 

(Redaktion, Screenshot des Blogs von Sattar Beheshti)

 

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