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Schluss mit kostenlosen Blogs?

Schon seit einiger Zeit verlangt die New York Times einen gewissen Obolus für seine Online-Ausgabe. Einige Magazine und Zeitschriften sind diesem Beispiel bereits gefolgt. Nun will auch Blogger Andrew Sullivan eine kostenpflichtige Version seines Blogs aufsetzen.

Andrew Sullivan ist Brite, lebt aber seit einigen Jahren in den USA. Sullivan ist einer der bekanntesten Politikblogger des Landes. Seine Reports, Kommentare und Einschätzungen werden von vielen Usern gelesen. Mit dem Bloggen begann er bereits vor der Jahrtausendwende. Er ist einer der alten Hasen in dem Business. Hat er es deshalb verdient Geld für seine Beiträge zu bekommen?

Warum eigentlich nicht?

Sullivan’s Blog „The Daily Beast“ wurde bereits bei der „Time“ und „The Atlantic“ veröffentlicht. Nun – seit die Verträge mit den renommierten Verlagshäusern ausgelaufen sind – hat Sullivan verkündet, weiter zu bloggen, will sich dafür aber von seinen Lesern bezahlen lassen. Gerechtfertigt? Irgendwie schon, denn immerhin stecken hinter den Beiträgen gut recherchierte Fakten, ein lang entwickeltes Potenzial zur Meinungsbildung und anstrengende Telefonate. Arbeit, die beim Fernsehen oder der Zeitung doch auch bezahlt werden. Warum sollte man dafür also kein Geld verlangen dürfen?

Zudem ist es Sullivan’s Ziel vollkommen unabhängig zu sein – von anderen Medienunternehmen sowie von der Werbeindustrie berichtet DRadio Wissen. Damit könne er sozusagen seine persönlichen Statements – ohne Leitung von oben – unter seine Leser bringen. Ein Abo lohne sich also für diejenigen, die Sullivan’s Seite sowieso meist durch browsen. Und Sullivan’s Leser zahlen. Wie DRadio Wissen berichtet sind am ersten Tag des Abonnements bereits 340.000 Dollar zusammen gekommen. 12.000 Leser hätten bereits nach 24 Stunden ein Abo abgeschlossen. Viel versprechend!

Warum eigentlich?

Geld nehmen für’s Bloggen. Das verstößt schon irgendwie gegen den Ehrenkodex von Bloggern. Bloggen wurde anfangs als Sache verstanden, die vom Blogger und seinem Publikum gestaltet wird. Wieso sollte das Publikum also für einen Teil seiner eigenen Leistungen zahlen? Sullivan geht es weniger darum, die Leute abzuzocken, als einen fairen Preis für seine Beiträge zu verlangen. Immerhin stimmen ihm mit der bereits jetzt hohen Anzahl an Abonnenten viele zu.

Lohnt sich dieses Konzept? In „The Audit“ verkündete Dean Starkman, dass es sich nur eine geringe Zahl Blogger leisten könne, Geld von ihren Lesern zu verlangen. Wenige hätten sich so etabliert, dass sie monatlich ein riesiges Publikum erwarten könnten. Der deutschsprachige Raum beschränke sich zudem auf mindestens drei Länder, während die englische Sprache in fast allen Ländern verstanden würde.

Und nun?

Wird das Bloggen also demnächst ein kostspieliger Spaß? Tendenz: eher nicht. Nur wenige Blogger könnten es sich leisten Geld für ein Abonnement zu verlangen. Gerade deutschsprachige Blogger würden auf einen relativ begrenzten Leserkreis setzen. Bei Magazinen wird dieser Trend hingegen zunehmen. Die Abnahme der Printversionen muss sich schließlich auf irgendeiner Ebene kompensieren.

 

(Bild: Screenshot The Daily Beast)

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