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Interview: „Geduld und Freude am Schreiben sind wichtige Voraussetzungen für Blogger“

Mit ihrer (Print und Online-)Schreibwerkstatt hat Huberta Weigl einen kreativen Raum geschaffen, in dem sie Schreiblust und -techniken vermittelt. Gerade auch für Blogger und Unternehmen, die am Bloggen interessiert sind. Im Interview verrät sie, warum Freude und Geduld zu den wichtigsten Eigenschaften eines Bloggers gehören.

Die Schreibwerkstatt zeigt Schreibwütigen und denen, die es werden wollen, welche Schreibtechniken sie wann anwenden können, richtig?

Ja, das stimmt! Die Schreibwerkstatt unterstützt alle, die im Studium oder im Beruf schreiben. Studenten erhalten Hilfe beim Schreiben ihrer Uni-Arbeiten, wobei sie ihre Arbeiten immer selbst schreiben. Alles, was in Richtung Ghostwriting geht, ist für mich absolut tabu! Das Angebot für diejenigen, die im beruflichen Alltag schreiben, reicht von der Vermittlung allgemeiner Schreibkompetenzen bis zu Spezialwissen, zum Beispiel dem Texten einer Website. Im Herbst biete ich erstmals auch einen Kurs zum Thema „Erfolgreich bloggen“ an. Vor allem für Unternehmen, aber auch für Selbstständige bietet ein Blog ein großes Potenzial – und nach wie vor scheuen sich Unternehmer davor, zu bloggen oder wissen nicht, wie man das Thema „Blog“ am besten anpackt.

Mit einer Werkstatt verbindet man automatisch Handwerkszeug. Welche Handwerkstechniken kann man in der Schreibwerkstatt in Bezug auf das Schreiben lernen?

Jede Menge kreativer Arbeitstechniken, aber auch ganz banale Dinge, zum Beispiel wie man Mammutsätze vermeidet.

Inwiefern unterscheidet sich das Schreiben für einen Blog vom Schreiben für ein Buch?

Wer für einen Blog textet, schreibt automatisch für das Web, und Webtexte folgen eigenen Gesetzen. So sollte man beispielsweise eher kurze Sätzen schreiben und regelmäßig Absätze mit einer Leerzeile machen. Zudem sollten Blogger im Auge haben, dass ihre Leser so gut wie immer ungeduldig sind. Nirgends sind Leser nämlich so rasch wieder weg wie im Web. Sie erwarten, dass der Blogger sehr rasch auf den Punkt kommt. Tut er das nicht, brechen sie die Lektüre ab und verlassen den Blog. Leser eines Buches sind wesentlich geduldiger, u.a. weil sie sich das Buch sorgfältig ausgesucht und oft dafür Geld ausgegeben haben. Auch die Erwartungen sind andere. Ein Roman etwa darf durchaus langsam starten. Das geht bei einem Blogartikel nicht!

Blogger schreiben meist mit einer sehr persönlichen Stimme. Warum kommt das so gut an?

Viele Texte, die wir im Alltag lesen, sind austauschbar. Die persönliche Stimme eines Blogs sorgt dafür, dass die Texte einzigartig sind. Blog-Leser interessieren sich für Texte, die einen guten Inhalt haben und bei denen sie den dahinterstehenden Autor spüren. Blogger dürfen ruhig ein paar Ecken und Kanten zeigen.

Welche kreativen Ideen hat die Schreibwerkstatt zu diesen drei Begriffen: Blogsprache, Schreibblockade, Kommasetzung?

Blogsprache: Sollte persönlich und lebendig sein. Einfach experimentieren, ausprobieren, was ankommt, sich selbst schreibend weiterentwickeln.

Schreibblockade: Ist nicht ungewöhnlich. Es kommt letztendlich darauf an, wie lange sie anhält. Die Gründe für Schreibblockaden sind sehr vielfältig. Besonders oft kommt es zu einer Schreibblockade, weil jemand zu hohe Erwartungen an sich selbst hat (Perfektionismus-Falle). Die meisten Menschen leiden jedoch weniger an einer Schreibblockade als vielmehr an „Aufschieberitis“, das ist die kleinere, also harmlosere und leichter auflösbare Variante der Blockade.

Kommasetzung: Kann man lernen (ich empfehle die ausgezeichneten Lernmaterialien des Duden Verlags). Fehler passieren, richtig viele Fehler sollten in einem Blogartikel nicht drinnen sein, denn das untergräbt die Kompetenz des Autors.

Welche journalistischen Formate passen besonders gut zu einem Blog (Bericht, Interview, Glosse etc.)?

Ich halte alle journalistischen Formate für geeignet. Wichtig ist die Abwechslung innerhalb der Formate. Das macht einen Blog lebendig und zieht Leser an.

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.“ Warum begleitet einen Blogger dieses Zitat von Mark Twain bei fast jedem Blogbeitrag aufs Neue?

Es gibt Sätze, die sind einfach absolut stimmig. Da passt einfach jedes Wort. Wie alle Texter ringen auch wir Blogger oft um die richtigen Worte, und das macht durchaus Sinn. Allerdings sollte man es nicht übertreiben, sonst sind Schreibblockaden vorprogrammiert. Wer wenig Schreiberfahrung hat, denkt oft, dass er sofort „druckreif“ schreiben muss. Das ist aber gar nicht der Fall. Gute Texter (Blogger) sind vor allem gut im Überarbeiten eines Textes, und auch das will erst einmal gelernt sein. Geduld und Freude am Schreiben – das sind meiner Meinung nach wichtige Voraussetzungen für Blogger.

Mein Lieblingszitat stammt übrigens von William Zinsser: „Schreiben ist harte Arbeit. Ein klarer Satz ist kein Zufall. Sehr wenige Sätze stimmen schon bei der ersten Niederschrift oder auch nur bei der dritten. Nehmen Sie das als Trost in Augenblicken der Verzweiflung. Wenn Sie finden, dass Schreiben schwer ist, so hat das einen einfachen Grund: Es ist schwer.“

 

(Artikelfoto: Huberta Weigl (c) Hanae Yamashita)

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