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Interview mit Resul Özcelik von DIB – Die Integrationsblogger

„Ist das, was ich schreiben möchte, der Gesellschaft dienlich oder schreibe ich für mich?“ Resul Özcelik

DIB – Die Integrationsblogger? Was heisst das genau und wer steckt dahinter? Resul Özcelik erzählt uns in einem Interview mehr über den Blog, an dem mittlerweile 20 Autoren mitwirken.

Resul, stell dich doch bitte kurz unseren Lesern vor. Wer bist du und was machst du?

Gerne. Ich bin gebürtiger Dortmunder, Jahrgang 1977, bin verheiratet und Vater von drei Töchtern. Ich schlug ursprünglich eine kaufmännische Laufbahn als Führungskraft in der Lebensmittelbranche bei EDEKA und später bei Aldi ein. Nach einer kurzen Neuorientierung bin ich im Jahr 2005 als Leiter von Nachhilfe-Einrichtungen in die Bildungsbranche eingestiegen. Seit 2011 arbeite ich als PR-Mitarbeiter für den Schulkomplex „Gymnasium & Realschule Eringerfeld“ und bin seit 2010 Chefredakteur des von mir selbst gegründeten Blogprojekts „DIB – Die Integrationsblogger“. Seither blogge ich auch, soweit ich Zeit dafür finde.

Als ich das erste Mal „I-Blogger“ las, ging mir zunächst die Apple-Marke durch den Kopf. Auf den ersten Blick wurde aber sofort klar, worum es wirklich geht. Was hat dich dazu bewogen, I-Blogger ins Leben zu rufen? Wie lange hat die Planungsphase bis hin zu Start gedauert?

Eigentlich hatte ich im Zuge der Integrationsdebatten 2010 einen eigenen Blog gegründet mit eigenem Namen, da ich immer mehr gesehen habe, dass sich viele, die sich über die Debatten damals aufgeregt hatten, über Blogs mitgeteilt haben. Sofort war mir klar, dass meine Perspektive nur eine ist und zu einfältig gewesen war. Ich habe mich entschlossen, meinen Blog umzukrempeln in einen Multiautoren-Blog. Auf der Suche nach Namen für den Blog habe ich als zu allererst meine vertrauten Freunde nach Anregungen gefragt. Aus diesen Beratungsgesprächen hat sich der Name „Integrationsblogger“ herauskristallisiert. Nun fehlten noch Autoren, die ihre Artikel auf DIB veröffentlichen würden. Die ersten, die sich angeboten hatten, habe ich direkt mit ins DIB-Team aufgenommen.

Gab es am Anfang Schwierigkeiten und Hürden zu bewältigen?

Ja! Die Schwierigkeit lag darin, dass man nicht nur anfängt zu schreiben, sondern gleichzeitig auch eine Struktur und ein Konzept entwickeln muss. Es gab manchmal heiße Diskussionen unter den Kollegen, aber wir konnten uns auf Kompromisse einigen. Diese gemeinsamen Nenner zu finden war die größte Hürde. Bei diesen Diskussionen ging es unter anderem um Namensänderungen und die Formulierung eines Konzepts. Trotz dieses Diskurses haben wir uns im Redaktionsteam für eine zweite Domain mit dem Namen „I-Blogger“ entschieden. Wie du schon erwähnt hast, geht einem dabei zwar die Apple-Marke durch den Kopf, aber letztendlich ist es die Abkürzung des Namens „Integrationsblogger“. Aber du bringst mich auf eine gute Idee. Bisher haben wir die Abkürzung „DIB“ benutzt. „I-Blogger“ hört sich allerdings auch nicht schlecht an. Du merkst, man hört nie auf, sich zu entwickeln. Deshalb heißt unser Motto auch: „Innovative Perspektiven im Zeitenwandel“, weil wir im Zuge der sozialen Umbrüche und im Informationszeitalter stetig im Wandel begriffen sind. Das ist eine Schwierigkeit, aber auch eine Herausforderung, die uns zum bestmöglichen Handeln bewegt und weiterentwickelt. Es gibt nie einen Stillstand.

Welche Menschen und Helfer stecken hinter I-Blogger und was machen die alle genau?

Erst war ich alleine, dann zu zweit, nach einer weile zu fünft und später nach ungefähr acht Autoren auf I-Blogger wurden wir immer arbeitsteiliger. Mittlerweile haben wir über 20 Autoren und Kolumnisten, die in regelmäßigen Abständen bloggen. Wir haben uns aufgeteilt in Redaktion, Lektorat und Autoren-Team. Im Redaktionsteam unterstützen mich Şahende Demirel und Saara Welt. Es sind noch welche neu hinzugekommen, jedoch sind diese beiden DIB-Autorinnen seit 2011 in der Redaktion dabei. Im Lektorat werde ich unterstützt von Andreas Molau und Christian Rogler. Im Autoren-Team sind wir zehn Leute. Alle, die auf DIB mitwirken, kommen aus sehr vielfältigen Bereichen. Wir haben Politologen, Soziologen, Journalisten, Pädagogen, Lehrer, Politiker. Diese Vielfalt spiegelt sich in unseren Artikeln wieder. Sie ist eine immense Bereicherung für uns.

Wie viele Zugriffe und Seitenaufrufe generiert I-Blogger im Monat, und welche Lesergruppen erreicht ihr?

Also, ich gebe jetzt mal die Durchschnittswerte an und fange mal mit 2010 an. Wir hatten im Oktober angefangen. Bis Dezember hatten wir 276 Zugriffe und 955 Seitenaufrufe im Monat. 2011 hatten wir 1 742 Zugriffe und 3 767 Seitenaufrufe im Monat. 2012 hatten wir 2 560 Zugriffe und 7 553 Seitenaufrufe im Monat. Jetzt befinden wir uns im Juli 2013 und haben 4 922 Zugriffe und 14 900 Seitenaufrufe im Monat. Im Juni/Juli haben wir über 8 000 Leser erreicht. Die Leserschaft geht von der Mitte der Gesellschaft bis in den rechten Bereich hinein. Mit dem rechten Bereich ist folgendes gemeint: Wir haben insbesondere zwei Rubriken, in denen wir Rechtsextremismus und Antiislamismus aufgreifen. Die Rubriken sind „Fokus Antiislamismus“ und „Ab- und Hintergründe“. Diese Themenbereiche greifen wir zwar politologisch, aber in einer etwas peppigen Art und Weise auf. Die Überschriften werden hier etwas frech formuliert. Letztendlich gelangt die rechte Szene ebenfalls auf unserem Blog und liest unsere Artikel. Da bleibe ich natürlich von Hassmails nicht verschont. Viele unserer Autoren positionieren sich auch in ihren Artikeln. Dadurch hat jeder Autor seine eigenes Klientel. Mit anderen Worten: Sowie die Autoren auf I-Blogger vielfältig sind, gestaltet sich auch unsere Leserschaft.

Wie finanziert sich I-Blogger eigentlich? Mit ansteigendem Leserzahlen und Technikressourcen wachsen ja auch die Kosten mit.

Im Moment habe ich nur die Google-AdSense Werbung geschaltet und die deckt die Serverkosten ab. Ich benutze WordPress als CMS und versuche zB die Kosten für Plugins – einige sind ja kostenlos, aber manchmal brauche ich auch Plug-Ins, die etwas kosten – über die Programmierer kostenlos zu bekommen. Dafür biete ich den Programmierern Werbung für ihr Plugin auf  I-Blogger an. Darauf gehen die meisten ein. Schließlich ist es eine Win-Win-Situation in dem Moment.
Ich weiß nicht wie es in ein zwei Jahren aussieht, denn noch betreibe ich den Blog als Hobby. Die Zeit, die ich reininvestiere, wird allerdings immer mehr. Solange ich die Motivation habe und es mir Spaß macht, wird es auch so weitergehen. Ich hoffe, ich werde noch lange Zeit Motivation und Spaß daran haben.

Machst du Marketing für I-Blogger? Wenn ja, welche Maßnahmen gehst du dabei an?

Da ich den Blog wie schon erwähnt als Hobby betreibe, bin ich nicht auf Gewinn und Geldverdienen aus. Dementsprechend gestaltet sich auch das Marketing. Wir sind in den sozialen Netzwerken vertreten und darüber werden 40-50% unserer Leserschaft auf unsere Artikel aufmerksam. Der Rest kommt von den Suchmaschinen und von anderen Blogs, die uns in ihrer Blogroll verlinken. Mittlerweile sind wir bei ca. 70 Webseiten angekommen, in denen wir verlinkt sind.

Mit welchen Schwierigkeiten bist du regelmäßig konfrontiert als Verantwortlicher von I-Blogger?

Die Schwierigkeit hängt wieder mit dem Hobby zusammen. I-Blogger ist ein, wenn man so sagen will, gemeinnütziger Blog. Um unsere Artikel attraktiv zu gestalten, muss ich auf lizenzfreie Bilder zugreifen. Das schränkt uns in der Flexibilität bei der Gestaltung ziemlich ein. Ich muss ständig die Urheber der Bilder ansprechen, ob diese uns ihre Bilder zur Verfügung stellen. Es wird aber auch immer schwieriger, darin Zeit zu investieren. Wenn man einen zeitintensiven Beruf hat, ist es nicht leicht, Hobby und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die Familie mit Kindern kommt da noch hinzu. Mein Zeitmanagement muss ich immer wieder neu überdenken, damit ja nichts zu kurz kommt.

Gibt es einen Appell, den du gerne an andere Blogger richten magst?

Ich möchte die BloggerInnen weder bevormunden oder belehren, aber in der Gemengelage vieler Blogbeiträge habe ich für mich entdeckt, dass man sich als Blogger folgende Fragen stellen sollte, bevor man an die Tasten geht: Ist das, was ich schreiben möchte, der Gesellschaft dienlich oder schreibe ich für mich? Auf dem Ersteren baut sich folgende Frage auf: Mit welchem Taktgefühl gehe ich an das Thema ran? Beleidige oder verletze ich möglicherweise jemanden durch meinen Stil?
Das sind natürlich Fragen, die ich mir besonders bei gesellschaftspolitischen Themen stelle. Natürlich ist es auch wichtig, in der Blogosphäre – anders als in den klassischen Medien – konfrontativ mit Themen umzugehen. Schließlich möchte man ja als Alternativmedium eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Aber ich glaube, diese Fragen helfen einem, beim Bloggen nicht abzudriften. Wichtig ist beim Bloggen eine Balance zwischen übertrieben und untertrieben zu finden.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für die Fragen genommen hast. Zu den I-Bloggern geht´s hier lang: http://i-blogger.de/

Coskun Tuna

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