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Interview: „Meine Botschaft ist eigentlich nur, dass jeder – egal ob gehandicapt oder nicht – seinen Traum leben kann“

Sein Name ist Martyn Sibley und er ist Wegbereiter in der Aufklärung über Themen bezüglich geistiger oder körperlicher Behinderungen. Martyn ist ein normaler Kerl, der ganz zufällig selbst gehandicapt ist. Er lebt mit einer spinalen Muskelatrophie (SMA). Das heißt für ihn, dass er nicht laufen kann, nichts, was schwerer als ein Buch ist, anheben kann und auch nicht in der Lage ist, sich selbst zu duschen. Er hat einen Master Abschluss, ist bereits bis nach Australien gereist, fährt sein eigenes Auto, führt sein eigenes Unternehmen, hat bereits einen Tauchkurs absolviert und lebt selbstständig in London. Sein Ziel ist es, Menschen zu inspirieren, über körperliche und geistige Behinderungen aufzuklären und die Einstellungen der Menschen diesbezüglich zu verändern. Martyn ist zudem aktiver Blogger, Publisher und Online Vermarkter. Erst kürzlich hat er einen ‚European Disability Road trip‘ beendet. Alles über den Trip und seine Ambitionen noch mehr zu erreichen, erfahrt Ihr im folgenden Interview.

Was war die ursprüngliche Idee hinter Deinem ‚European Disability Road trip‘?

Die ursprüngliche Idee beschäftigte sich damit, die tatsächlichen Zugänge für mich als Rollstuhlfahrer in den einzelnen Ländern zu entdecken. Ich wollte Transportmöglichkeiten, Cafés, Bars, Touristen Attraktionen, Einstellungen von Menschen und politische Maßnahmen kritisch zu hinterfragen und zu bewerten.

Zudem wollte ich körperlich und geistig behinderte Menschen treffen und ihr Leben kennenlernen. Außerdem wollte ich nicht behinderten Personen ein positives Bild von körperlich und geistig behinderten Personen vermitteln.

Meine Botschaft ist eigentlich nur, dass jeder – egal ob gehandicapt oder nicht – seinen Traum leben kann.

Welche Aufenthalte hattest Du für den Trip geplant und an welchen hast du dann letztendlich einen Stopp eingelegt?

Zuerst bin ich in Großbritannien losgefahren. Der Plan war vorab nach Holland, dann nach Deutschland und Polen, und zuletzt nach Litauen – das Geburtsland meines Großvaters – zu fahren. Danach wollte ich nach Österreich, Italien, Spanien und wieder nach Großbritannien zurück. Das sollte in einem Wohnmobil geschehen, welches mir von einem Sponsor versprochen wurde.

Aber wie das Leben manchmal so spielt, funktioniert nicht immer alles wie man es plant. Vielleicht testet uns das Universum ab und zu einfach, ob wir eine Sache wirklich wollen – wer weiß. Das Angebot für das Wohnmobil wurde jedenfalls zurückgenommen nachdem ich den Trip bereits Tausenden von Leuten verkündet hatte. Also habe ich mit meinem persönlichen Assistenten geredet und wir kamen zu dem Schluss, dass wir die Route kürzen, indem wir zunächst nach Litauen, dann nach Prag und zurück durch Deutschland, Luxemburg, Brüssel und Frankreich fuhren. Das hat uns natürlich Benzinkosten erspart. Trotzdem musste ich zusätzliche Kosten für die Hotelübernachtungen aufbringen.

Über die Social Media Kanäle, die ich nutze, habe ich £2000 in einer Woche gesammelt, die mir den Trip letztendlich ermöglicht haben.

Warum siehst du Deinen Blog und die Social Media Kanäle, die du benutzt, als besten Weg an, Deinen Trip zu begleiten und darzustellen?

Ich habe meinen Blog vor ungefähr drei Jahren aufgesetzt, den Lesern habe ich meine persönliche Geschichte erzählt: die Herausforderungen, meine Strategien und meine Erfolge. Durch die Social Media Kanäle konnte ich mir einen großen Leserkreis aneignen.

Als ich mich entschieden habe den Trip durchzuführen, hatte ich automatisch die besten Veröffentlichungsplattformen und Kommunikationsinstrumente parat. Ich war in der Lage zu bloggen, Fotos mit anderen zu teilen, Videos hochzustellen und Tweets zu posten.

Hast Du auch andere Personen überzeugt, sich mehr mit Social Media zu beschäftigen und sich mit geistig und körperlich behinderten Menschen auseinanderzusetzen?

Das ist schwierig einzuschätzen. Viele Leute und Organisationen, die ich getroffen habe, sind sehr engagiert mit dem Thema Rechte für behinderte Menschen umgegangen, waren aber im Gegensatz dazu unsicher, wie sie Social Media Kanäle am besten in ihre Arbeit einbinden. Vielleicht sollte ich einen neuen Trip planen, auf dem ich Social Media mehr promote?

Wie schätzt Du den Gebrauch von Social Media Kanälen an den Orten ein, die Du auf Deinem Trip besuchst hast? Glaubst Du, dass die Leute sich noch mehr damit befassen müssten? Wenn ja, wie?

Und wieder ist es schwierig zu sagen, wie die Personen in all den Ländern, die ich besucht habe, Social Media nutzen. In Großbritannien gebe ich viele Seminare. Das Feedback dort sagt generell folgendes:

– nicht so viel private Informationen preis geben

– unklares Verständnis über die Verwendungsweise der einzelnen Plattformen

– Tweets über, das was man zum Essen hatte, sind langweilig.

Andere, hingegen, sehen die Vorteile von Social Media:

– günstiges Marketing

– Zusammenhalt und Stärkung von Menschen

– eröffnet neue Arbeitsrhythmen.

Du postet eine Menge Videos. Warum sind und waren Videos für Deinen Blog und für den Trip am besten geeignet?

Viele Leute sind zu beschäftigt oder auch zu faul um sich ellenlange Texte zu Gemüte zu führen. Videos können eine interessante Geschichte in ein paar Minuten erzählen. Videos sind nicht nur leichter zu verstehen, sondern sie fördern auch die Identifikation mit dem Leben und dem Menschen vor der Kamera.

Wie haben andere Blogger und Medien auf Dein Projekt reagiert?

Die britische Presse war leider nicht so interessiert, wie ich es mir erhofft hätte, aber viele Blogger und Leser haben es fühlbar genossen. In Polen wurde ich sogar vom Fernsehen, dem Radio und dem nationalen Magazin zum Thema Menschen mit Behinderung interviewt.

Wo werden Dich Deine Pläne demnächst hintreiben? Hast Du irgendwelche anderen Projekte geplant?

Im Moment bereite ich mich gerade auf einen 10-wöchigen Aufenthalt in Spanien vor, der von der Europäischen Union gesponsert wird. Dieser Aufenthalt schließt sich nun an meinen Aufenthalt in Asturien im letzten Jahr an. Zudem erwarten mich im Sommer – wenn ich dann zurück in Großbritannien bin – viele große Aufgaben. Für den Herbst 2013 plane ich eine Reise ins weit entfernte Peru. Das wird herausfordernd, aber garantiert auch sehr aufregend für mich.

Englische Version des Interviews.

 

(Foto: Martyn beim Auto fahren (c) Martyn Sibley, Karte vom Europe Disability Road Trip (c) Google Maps/Martyn Sibley)

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