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Interview: „In einem Blog lässt sich Fernsehkritik besser zuspitzen als in einer Zeitung“

225 Minuten sieht jeder von uns im Schnitt täglich fern. Im Fernsehblog beschreibt Peer Schader die Gründe dafür und dagegen. Aha, aber wir hätten da noch ein paar Fragen Peer.

Auf dem Fernsenblog werden die durchschnittlichen 225 Minuten deutscher Fernsehgucker ausgewertet. Welche drei Fernsehprogramme haben den Hauptanlass dafür gebildet?

Konkrete Sendungen gab’s da nicht – sondern bloß die Lust, regelmäßig übers Fernsehen zu berichten, und all die Absurditäten und die seltsamen Programme aufzuschreiben, für die auf den klassischen Medienseiten wenig Platz ist, weil die vor allem mit dem Tagesgeschäft ausgelastet sind.

Warum eignet sich ein Blog dafür über die Fernsehwelt zu berichten?

Fernsehkritik war schon immer höchst subjektiv: Was dem Autor vielleicht gefällt, stößt beim Publikum auf Ablehnung – oder umgekehrt. Deshalb ist das Schreiben übers Fernsehprogramm schon immer zu einem großen Teil von der jeweiligen persönlichen Ansicht des Kritikers geprägt. In einem Blog lässt sich das noch ein bisschen besser zuspitzen als in einer klassischen Zeitung. Außerdem kann ich im Blog viel mehr Formen ausprobieren: vom Quiz über die Wochenkritik bis zur schnellen Rezension, die kurz nach einer Sendung schon auf der Seite steht – anstatt bis zum anderen Morgen im Postfach des betreuenden Redakteurs einer Nachrichtenseite rumzugammeln.

Seit Dezember 2012 ist der Fernsehblog an ulmen.tv angegliedert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Das Blog wurde im Dezember 2008 gegründet und ist knapp vier Jahre bei FAZ.NET erschienen. Im vergangenen Jahr hat sich FAZ.NET entschlossen, zahlreiche Blogs einzustellen, auch das Fernsehblog. Als das bekannt wurde, hat Christian Ulmen gefragt, ob es nicht passen würde, das Blog bei ulmen.tv fortzuführen – und erfreulicherweise hat’s gepasst!

Bilden Talent Shows die fruchtbarste Ernte für den Fernsehblog? Und warum gibt es DSDS nach über zehn Jahren immer noch?

Sagen wir mal so: Sie sind ein wiederkehrender Schreibanlass – weil sie ja auch für die Privatsender nach wie vor ein wichtiges Programmelement sind und öfter einmal Anlass bieten, kritisch hinterfragt zu werden. Dass DSDS immer noch läuft, liegt in erster Linie daran, dass es für RTL schwierig wäre, die vielen sonst frei werdenden Sendeplätze mit anderen Shows zu füllen, die mindestens genauso erfolgreich beim Publikum wären. Deshalb riskiert der Sender nicht mal eine Pause, die der Sendung durchaus gut täte.

Wenn der Fernsehblog eine Fernbedienung für das Fernsehen wäre, welche Sendungen würdest du als Favoriten speichern bzw. welche löschen?

Die gut gemachten speichern, die lieblos zusammengestückelten, überdramatisierten, aufgepumpten löschen. Das lässt sich schwer am Genre festmachen. Aber derzeit gäbe es wohl mehr zu löschen als zu speichern, weil sich die meisten Sender kaum an Innovationen trauen, dafür aber mit Importformaten und günstig produziertem Trash auf Nummer sicher gehen.

Kannst du eigentlich noch ohne Kritikgedanken Fernsehen, so quasi nur als Unterhaltungsmaßnahme?

Vor allem bei amerikanischen Serien ist das durchaus noch möglich: Wenn ich mir zum Beispiel die Showtime-Serie „The Killing“ ansehe, bin ich ganz Zuschauer. Was das deutsche Fernsehen angeht: eher nicht. Man kann das ja nicht abstellen, das man beim Fernsehen automatisch auf Interessantes, Kurioses und Kommentierenswertes stößt, das dann als Vorlage für eine Recherche oder einen Kommentar dient. Aber macht ja auch nix. Es gibt meiner Ansicht jedenfalls keinen Grund, sich dagegen zu wehren.

Über welche Themen wird das Fernsehblog deiner Meinung nach 2020 berichten?
2021 wüsste ich schon: Dann erscheint eine große Stefan-Raab-Würdigung zu dessen 55. Geburtstag und dazu ein böser Text dazu, wie langweilig „TV total“ in den vergangenen 22 Jahren geworden ist.

 

 

(Foto: Peer-Schader (c) Peer Schader)

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