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Interview: „Wir bieten keine Lösungen von der Stange, sondern Überraschungen“

Ein neues Projekt will den Benefizgedanken aus Bloggern und Unternehmen locken. Benefiz Blogger führt Blogger und Unternehmen für einen guten Zweck zusammen. Initiatorin Sandra Lachmann ist selbst aktive Bloggerin auf ihrem persönlichen Blog wortkonfetti.de und für pressesprecheralltag.de. Zudem ist die 32-jährige Inhaberin von „pr online & offline“ in Bremen. Im Interview verrät die engagierte Bloggerin, durch welchen Anstoß sie Benefiz Blogger gegründet hat und wann Unternehmen und Blogger überhaupt für einen guten Zweck harmonieren.

Benefiz Blogger – was verbirgt sich hinter dem Projekt für ein Konzept?

Die Benefiz Blogger sind ein Zusammenschluss von privaten Bloggerinnen und Bloggern, die mit Firmen für den guten Zweck kooperieren. Die Blogger verzichten für ihre Leistung auf eine Bezahlung, wenn die Firma das Geld statt dessen einem soziales Projekt zukommen lässt, das wir ausgewählt haben. Und die Blogger spenden auch selbst an das Projekt, beispielsweise Einnahmen, die sie mit Foto-Workshops verdienen oder Erträge von DaWanda-Verkäufen.

Gab es eine Geschichte, die den Anstoß für diese Idee gab?

Ja, die gab es. Zum einen berichtet mir eine gute Freundin Ende letzten Jahres von einer Wohltätigkeitsaktion, die sie zu Weihnachten auf die Beine gestellt hatte. Ganz ohne Internet. Ihr Engagement hat mich sehr beeindruckt und erstmals kam mir in den Sinn, den Multiplikationseffekt des Social Web für den guten Zweck zu nutzen. Anfang Februar erfuhr ich dann in meinem Bekanntenkreis von einer Leukämieerkrankung und einem fehlenden Spender. Da hab ich dann spontan Kontakt zu Bloggern aufgenommen und den Vorschlag gemacht, die Benefiz Blogger ins Leben zu rufen und bei der ersten Aktion die DKMS zu unterstützen. Die Reaktionen waren überwältigend und eh ich mich versah, steckte ich mittendrin.

Wie wird es funktionieren?

Firmen, die Interesse an einer Zusammenarbeit mit Bloggern haben, können sich zunächst ganz unverbindlich bei uns melden und skizzieren, um welches Produkt, welche Dienstleistung oder welches Event es dabei gehen soll. Wir nehmen dann Kontakt zu passenden Blogs aus dem Netzwerk auf und überlegen uns kreative Wege einer Kooperation. Manchmal wird es vielleicht nur eine Bannerschaltung auf einem Blog geben, aber lieber ist es uns, exklusive Geschichten mit den Firmen auf die Beine zu stellen, die lesenswert, kreativ und neuartig sind. Wir wollen die Blog-Leser schließlich nicht mit stumpfer Werbung vergraulen. Grundsätzlich ist es so, dass das Angebot der Firmen natürlich auch zum Charakter der Blogosphäre passen muss. Es kann also durchaus sein, dass wir einer Firma mal einen Korb geben müssen. Wir legen Wert auf eine Zusammenarbeit, die für alle drei Seiten einen Mehrwert bietet – für die Firma, für den Blogger und für den Leser.

Wann passen ein Unternehmen und ein Blog gut zusammen?

Zunächst einmal müssen die Themen zusammenpassen. Ein Hotel passt zu einem Reiseblog besser als zu einem Technikblog – es sei denn, das Hotel möchte irgendeine technische Innovation präsentieren. Aber selbst wenn das Thema übereinstimmt, gilt es, genau hinzuschauen. Betrachten wir zum Beispiel Fashionblogger: Da gibt es ganz junge, die ihre Outfits aus dem Alltag oder DIY-Schmuck vorstellen, aber auch Blogger, die nur über Haute Couture oder nur über Vintage schreiben. Ein Unternehmen muss sich dann überlegen, wo seine Zielgruppe eher mitliest. Weitere Entscheidungskriterien können Sprachstil, Alter oder lokaler Bezug sein. Wenn ich ein Wohn-Accessoire vorstellen möchte, das der bajuwarischen Lebensart frönt, bin ich auf einem Hamburger Blog in der Regel falsch.

In wie fern unterscheidet sich die Reichweite der Blogs von anderen Medien?

Der qualitative Streuverlust ist geringer, ich erreiche meine Zielgruppe direkter. Der Leser einer Zeitung blättert das Medium durch und bleibt nur bei den Artikeln hängen, die seinem Interesse entsprechen. Wenn der gleiche Leser ein Blog, das er abonniert hat, liest, fällt diese Selektion im Vorfeld in der Regel weg, denn er interessiert sich von Vornherein für das Blogthema bzw. fühlt sich der Lebenswelt des Bloggers sehr nahe. Die Reichweiten liegen quantitativ zwar in der Regel hinter denen von klassischen Medien, qualitativ sind sie meiner Ansicht nach aber ergiebiger. Mit einer Blogger-Kooperation erreicht eine Firma vielleicht nur 1.000 Leser, davon nehmen die Kooperation allerdings viele wahr, und zwar sehr konzentriert. Im besten Fall verbreitet sie sich noch über andere Kanäle wie Twitter, Facebook oder Pinterest. Neben Reichweite spielt dann noch die Glaubwürdigkeit eine Rolle: Die ist bei Bloggern derzeit deutlich höher als bei Werbespots, Testimonial-Anzeigen oder auch Kundenmagazinen.

Wie sollte der gewünschte Effekt aussehen, den sich Blogger durch das Projekt erhoffen?

Für die Blogger wäre das Projekt ein Erfolg, wenn sie neue Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Firmen sammeln und langfristige Kontakte zu passenden Marken aufbauen könnten. Wünschenswert wäre natürlich auch, dass Firmen im Rahmen der Benefiz Blogger den Wert von Blogs erkennen und Bloggern nicht mehr den Stempel von „unprofessionellen Hobby-Schreiberlingen“ aufdrücken. Uns geht es zum einen darum zu zeigen, wieviel Kreativität und Ideenreichtum in der Blogosphäre steckt. Zum anderen möchten wir vor allem den Firmen, die mit Blogger Relations noch keine oder erst wenig Erfahrung haben, die Chance geben, Kooperationen mit Blogs auszuprobieren.

Welches Zitat beschreibt den Geist eines Benefiz-Bloggers am besten?

„Willkommen auf der guten Seite!“

Benefiz-Blogger wird ein fester Bestandteil der Blogosphäre werden, weil …

wir keine Lösungen von der Stange anbieten, sondern immer neu überraschen.

 

(Benefiz Blogger Logo, Foto: Sandra Lachmann (c) Benefiz Blogger / Sandra Lachmann)

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