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Sind Blogs eine berufliche Alternative für Journalisten?

Printmedien stehen aktuell im Fokus ihrer selbst. Fast täglich gibt es Meldungen über Stellenabbau. Bei der Bundesagentur für Arbeit heisst es, es sei die größte Entlassungswelle seit 1949. Die Financial Times Deutschland und die Frankfurter Rundschau verschwinden aufgrund deutlich sinkender Käuferzahlen vom Markt. Andere werden vermutlich folgen.  Sicherlich werden sich in den nächsten Wochen und Monaten weitere Verlage und Medienhäuser outen, dass es auch bei ihnen an einigen Stellen kriselt. Der Schuldige dafür ist schnell ausgemacht: das Internet. Einige vertreten die Ansicht, dass es einfach zu viele Printprodukte gebe bzw. dass das Management hierfür verantwortlich wäre. Fakt ist aber, dass sich immer mehr Menschen digital informieren und auf den Kauf gedruckter Ausgaben verzichten. So verlieren eine erhebliche Reihe von Redakteuren, Journalisten und Autoren ihren Job.

Doch warum das Web bekämpfen, als wäre es ein Feind, wenn man es auch für seine eigenen Zwecke nutzen kann? Speziell für Journalisten bietet die digitale Welt vielfältige Möglichkeiten um ihre Fähigkeiten zu versilbern. Blogs sind besser als ihr Ruf – die Zeiten in denen sie allein aus Langeweile betrieben wurden, um darin mehr oder weniger spannenden Alltagserfahrungen Ausdruck zu verleihen, sind vorbei. Für einige Blogger hat sich ihr Online-Angebot inzwischen zu einer Einnahmequelle entwickelt. Sie setzen sich in ihren Blogs qualifiziert mit bevorzugten Themengebieten auseinander. Die große Akzeptanz der Leserschaft spiegelt sich in den steigenden Werbeeinnahmen wider. Damit wächst ihre Bedeutung bei Unternehmen, die in den Blogs eine optimale Plattform für ihr Content Marketing sehen.

Was passiert eigentlich mit den Journalisten?

Ich bin zwar kein Journalist, kann mir aber sehr gut vorstellen wie schwer es für Journalisten sein wird neue Jobs bei Verlagen zu bekommen. Wer stellt schon jemanden ein, wenn das Unternehmen erst vor kurzem eine Kündigungswelle vollzogen hat. Zudem haben immer mehr Verlage in den letzten Jahren stärker auf freie Redakteure gesetzt, die für mehrere Arbeitgeber arbeiteten, um sich zu finanzieren.

Leider haben es die meisten Journalisten versäumt ihre eigenen Blogs und Magazine nebenbei aufzubauen. Wenn man sie jetzt darauf anspricht heisst es, sie müssten bei Null anfangen und könnten mit dem Bloggen nicht so viel verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Journalisten so früh wie möglich anfangen sollten einen eigenen Blog aufzusetzen. Es ist möglich mit einem Blog 1.500 bis 3.000 Euro als Einzelkämpfer zu erwirtschaften – vor allem wenn man ausgebildeter Schreiber ist.

Was den meisten Journalisten fehlen wird, ist das Verständnis wie man allein einen Blog aufsetzt (unabhängig von der IT eines Verlages, mit der man vorher gearbeitet hat) und wie man den Blog bekannt macht. Schreiben allein reicht leider nicht mehr aus. Man muss sich die Marketingstrategien selbst beibringen. Es gibt sehr viele Blogs, die ihr Wissen dafür gern weitergeben und Tipps und Tricks zur Verfügung stellen. Mit Beziehungen, dem Mut und Willen es selbst in die Hand zu nehmen, kann jeder Journalist es schaffen sich seine persönliche Erlösquelle zu schaffen.

Ich sehe das Bloggen daher als Alternative für Journalisten. Zeit dabei zu verlieren ist fatal. Journalisten MÜSSEN bereits heute damit beginnen ihr eigenes Produkt zu betreiben. Sie können es am besten für sich einsetzen. Das ist ihr Handwerk. Das ist ihre Ausgangsbasis.

Welche Schritte sollten Journalisten als erstes angehen?

1. Lernen wie man einen Blog aufsetzt.

Dabei braucht man nicht zu sehr ins Detail gehen. Ich empfehle WordPress als Content Management System. Man sollte zunächst jemanden finden, der einem bei dem Aufbau hilft. Aber Achtung! Das sollte niemals mehr als 300 bis 500 Euro kosten. Einen Blog aufsetzen zu lassen, sollte allerdings niemand, der seinen Blogs bereits selbst installieren kann. Dies lohnt sich nur dann, wenn es wirklich ein absolut kreatives und überzeugendes Magazin werden soll und wenn einem die Scheine nur so aus der Tasche flattern.

2. Sicher sein, über welches Thema sie schreiben wollen oder wofür sie eine Leidenschaft haben.

Man muss nicht da weiter machen, wo man als Redakteur beim Verlag aufgehört hat. Vielleicht liegen die persönlichen Interessen, die für das persönliche Schreiben elementar sind, ganz woanders? Am besten herausfinden.

3. Einen Namen finden.

Endlich ist man frei und kann es besser machen als der Verlag. Oder ist es doch schwierig? Anfangs hilft ein Brainstorming sowie das Sammeln von Ideen und die Meinungen anderer.

4. Das Design gestalten.

Die Optik spielt beim Erstellen eines Blogs eine wichtige Rolle. Was das Auge in den ersten 5 Sekunden erfasst, ist entscheidend. Darum ist es wichtig, sich über das Layout ein paar Gedanken zu machen. Es sollte Typübereinstimmend sein. Hat mein ein klares Thema mit kantigen Strukturen, bietet sich auch ein geradliniges Layout an. Beschäftigt man sich eher mit einem künsterlischen, freigeistigen Thema, kann das Desgin auch verspielt sein.

5. Blog installieren und schreiben.

Nun ist es an der Zeit die letzten Einstellungen vorzunehmen und Content auf den Blog zu packen. Wichtig sind dabei Aktualität und Regelmäßigkeit. Das ist zeitaufwendig, aber wird sich lohnen. Eine regelmäßig bediente Leserschaft ist eine aktive Leserschaft.

6. Marketingstrategien entwickeln.

Marketing ist ein gang wichtiges Thema für’s Bloggen. Was bringt ein Blog, wenn man seine Zielgruppe nicht erreicht? Aus diesem Grund sollte man sich verschiedene Strategien überlegen mit denen man die Leserschaft erreichen kann, die man erreichen will. Das reicht von der Auswahl der Social Media Kanäle bis zum klassischen Email-Marketing. Es ist wichtig herauszufinden, welche Strategien am besten zum Thema des Blogs passen. Vielleicht einen Experten um Hilfe bitten. Zudem sollte man immer die Augen nach Neuentwicklungen offen halten.

7. Marketingstrategien umsetzen.

Der letzte Teil des Blog Launchs beschäftigt sich ebenfalls mit der Vermarktung des Blogs. Die Strategien, die man sich überlegt hat, sollten nun auch umgesetzt werden. Dabei sollte man am Ball bleiben – im Besten Fall Feedback und Hinweise aufnehmen und verarbeiten.

 

Wenn das jemand anders sieht, stehe ich gerne für eine Diskussion zur Verfügung.

 

 

(Grafik © olly – Fotolia.com)

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Was die Verlage angeht habe ich kein Mitleid. Mit den Angestellten aber. Beim Thema Leistungsschutzrecht sieht man ja wie die Verlage drauf sind. Den Redakteur haben die meisten Verlage angefangen vor 5-10 Jahren immer mehr auszulutschen. Bis es nicht mehr geht. Die Journalisten sind nicht darauf eingestellt für sich selbst zu sorgen. Das lernet man vor allem nicht in Deutschland, Sowas muss von Kindesalter beigebracht werden. Dennoch glaube ich, dass es richtig ist, die Journalisten darauf zu trimmen, für sich selbst zu sorgen.

  2. Ich bezweifle, das man mit einem Blog seinen Lebensunterhalt verdienen kann, vor allem nicht im deutschsprachigem Raum. Das schaffen nur die wenigsten (wenn überhaupt).

  3. Nun ja, Millionengetriebene Produkte (siehe Print) schaffen es auch nicht ihren Betrieb zu finanzieren.

    Wenige Blogger werden es mit einem Blog wirklich sehr lukrativ schaffen, das stimmt. Aber wenn man 2-3 Blogs hat, kann man schon gute Erlöse erzielen. Zumindest ist man unabhängig und muss sich nicht mehr ducken.

    Der Markt entwickelt sich zudem zunehmend in Richtung Werbebudgets > Blogs.

  4. Hallo in die Runde,
    aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sehr wohl mit dem eigenen Blog seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

    Allerdings muss man hier differenzieren:

    Wer direkt AUF seiner Seite Geld verdienen will (durch Anzeigenbanner, verkaufte Textlinks, Advertorials etc.), kommt in der Tat nicht allzu weit. Damit schaffen es nur die wenigsten, ihren Blog als Haupteinnahmequelle bezeichnen zu können.

    Wer allerdings seinen Blog als Was-kann-ich-was-mach-ich-Referenz nutzt, kann durch sein dadurch gewonnenes Internet-Image Fremdaufträge generieren. Das heißt: Ein potenzieller Auftraggeber stößt auf einen Blog, der durch irgendeine Eigenschaft einzigartig ist. Und er möchte, dass der Betreiber für ihn im gleichen Stil recherchiert, schreibt, fotografiert, designt… oder (wie in meinem Fall) Videos dreht. Also beauftragt er ihn.

    Was man braucht, ist Geduld. Bis man sich und die Nische seines Blogs gefunden hat. Bis man genügend Content und eine suchmaschinenoptimierte Seite hat, dass man von den Suchmaschinenriesen auch als relevant eingestuft wird. Es dauert, aber es kann sich lohnen.

    Viele Grüße,
    Christoph

  5. Danke für die Tipps. Noch aber gibt es zumindest in Deutschland nur sehr, sehr wenige, die vom Bloggen leben können und es sieht auch nicht so aus, als würde sich das bald ändern, obwohl schon sehr viele Blogs die die hier genannten Tipps befolgen ….

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