Dienstag , Juni 27 2017
Banner
Neuigkeiten
Startseite / SONSTIGES / Bloggst du schon oder lebst du noch?

Bloggst du schon oder lebst du noch?

Schillernd bunt und selten langweilig erfreut Euch das moderne Leben. Glitzernde Sinneseindrücke überfluten jedes Hirn in Rekordzeit. Gleichzeitig bewältigt Ihr eine Vielzahl von Aufgaben. Gesellen sich Hektik und Druck in die muntere Runde, dann ist der Stress vorprogrammiert. Und Stressoren gibt es genug! Ob fleißige Mit-Blogger, aufdringliche Unternehmen oder verlangende Fans: Meistens, könnt Ihr es nicht allen Recht machen.

Besonders deutlich wird dieses Phänomen in der Welt von Produkttest-Bloggern. Zwischen Beruf, Privatleben und dem eigenen Blog liegen oft Welten. Ein Abstecher in jede davon zu meistern fällt nicht leicht oder lässt die Haare zu Berge stehen. Aufregend genug, doch es geht noch aufregender – immer dann wenn das neueste Testprodukt bei Ebay verscherbelt wird, Eure mühsam geknipsten Bilder auf zahlreichen fremden Blogs aufblinken oder sogar Ausschnitte Eures Youtube-Videos geklaut werden. Auch Eure Testberichte werden gerne an Unternehmen weitergeleitet und XY erntet dann Eure Lorbeeren. So ärgerlich, dass es mittlerweile schon Buttons gibt die signalisieren sollen: Ich bin ein ehrlicher und fairer Produkttester. In der munteren Runde der Diskussion stellte ich mir zwangsweise die Frage danach, ob wir das nötig haben.

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Die Rettung aus all‘ dem Trubel ist jedoch nicht weit: Schließen sich doch Mit-Blogger und Produkttester gerne gegen die bösen Ebay Topseller und vermeintlichen Betrüger zusammen. Die eigenen Fans sind dann auch nicht mehr von Ungefähr. Sie werden quasi zur Familie, zu Freunden, die Euch den Rücken stärken. So manches Problem relativiert sich, aus dem Blickwinkel eines Vertrauten heraus. Die Lösung liegt ja auch auf der Hand, denn reden hilft. Umso wichtiger ist es, Freundschaften zu pflegen und die Bloggerbande zusammenzuhalten. Schließlich sind es die kleinen Freuden im Alltag, die uns mitten ins Herz treffen und uns Kraft schenken.

Ein Button als effektives Ventil für den inneren und äußeren Druck scheint also unnötig, trotzdem ist er gefühlt auf jedem zweiten Produkttest Blog zu sehen. Aber das entscheidet ja auch jeder für sich alleine. Mein Zwang an Fragen nimmt auch hier kein Ende. Öffentlich angeprangert in der ein oder anderen Gruppe, per Button oder Bericht: Wie fühlen sich eigentlich die schwarzen Schafe unter den fairen Produkttestern?! Verstehen sie den abenteuerlichen Wirbel um die eigene Person gar als Anerkennung? Darauf habe ich bisher noch keine umfangreiche Antwort finden können außer: Stress, Stress, Stress.

Schließlich attackieren viele nicht etwa das Problem, doch sofort die Person. Der Versuch Kritik als Chance zu sehen, schlägt somit fehl. Auch mein Produkttest-Blog wurde bereits als der eigene verkauft mit dem Resultat, dass ich überraschend Testprodukte erhielt. Zu gut, wenn man ein Impressum mit Adresse besitzt. Das böse Schäfchen habe ich mir auf jeden Fall vorgeknöpft und meinen Fans davon erzählt. Um Gottes Willen, glaubt nicht dass ich Mitleid mit der Person hatte, die meinen Blog als den eigenen ausgab. Aber im Nachhinein glaube ich es sei besser, sich der Situation anzupassen, die man nicht ändern kann. Es lohnt sich, Kräfte für wichtigere Dinge aufzusparen.

Neid und Elend.

Wer sich diesen Bericht nun um halb eins nachts durchgelesen hat oder in bekannten Testportalen immer noch auf aktualisieren klickt weil er glaubt, die nächste Aktion kommt schon bald – ganz ehrlich, der ist in der Welt des Bloggens hängen geblieben. Mit Leib und Seele dabei zu sein ist natürlich keine Verurteilung, aber man kann es definitiv übertreiben. Noch besser ist die Schlacht um Pressetexte unterschiedlicher Kosmetikketten. Wer zeigt die neue LE als erstes, wer kopiert den Pressetext schonungslos und wer bekam dafür die meisten Klicks? Vielseitige Fragen die ich am liebsten in zahlreichen weiteren Texten beantworten würde.

Doch wie wir grade gelernt haben: Kräfte und so für Wichtigeres. Spannend ist die Ausbeutung der kleinen oder neuen Firmen. Schon am Design des Online Shops lässt sich vermuten, hier steckt nicht viel dahinter, aber ein kleines Budget auf jeden Fall.  Doch da mancher etwas verpassen könnte, wenn er nicht auch die neuste Box ausprobiert hat oder sich mit dem zwanzigsten Testduschbad duschen konnte, werden fleißig Bewerbungen geschrieben. Jeder wird zum leidenschaftlichen und aktiven Blogger, die Firmen müssen mehr oder weniger aussortieren. Hier startet dann der nächste Kleinkrieg – denn wer zum sechsten Mal in Folge keine Zusage in der Test Community bekam, aber Mit Blogger Feind Nummer eins … nun ja, dass wird nicht gerne gesehen und das Getuschel geht weiter.

Oder sagen wir so weit, dass Facebook immer mehr Fake Profile zu sperren hat, denn nicht alle trauen sich die eigene Meinung öffentlich kund zu tun. Schön wird es dann, wenn man selber in die Chatnachrichten Einblick bekommt, in denen grade richtig vom Leder gezogen wird. Ihr ahnt es und ich bestätige es Euch, auch hier habe ich endlos viele Fragen. ‚Sagt dem Stress adé!‘ und geht offline ist hier wohl ein guter Vorschlag, aber dann gelangen wir wieder ans Problem, etwas verpassen zu können. Ein offensichtlicher Teufelskreis der kein Ende zu finden scheint und viele, die die Mission des Bloggens anscheinend nicht verstanden haben. Ich selber schließe mich aus bestimmten Punkten meiner  Kritik nicht aus. Dennoch glaube ich einer der Guten zu sein. Irgendwie paradox. Sowie der ganze Rest auch.

(Artikelbilder: Fraeulein Lu und die Welt des Bloggens (c) GB Pics Online)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*


*