Dienstag , Juni 27 2017
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Adé peerblog

Da sind es doch wirklich nur ein paar Tage, und der Blog rund um Peer Steinbrück (peerblog) hat die ganze Medienwelt in Aufruhe versetzt. Der „Spiegel“, „Focus“, „Die Welt“, „Die Zeit“ alle gaben sie ihren wenig konstruktiven Senf dazu. Man könnte fast meinen in großen Lettern steht geschrieben: EMPÖRT, EMPÖRT, EMPÖRT.

Nur ca. zwei Wochen war peerblog online und hat ein großes Raunen in den Medien verursacht. Marketingtechnisch konnte man sich eigentlich gar nicht mehr wünschen. Der Blog wurde auf etliche Seiten verlinkt und die Berichterstattung lief durch alle Kanäle. Aber irgendwie war das doch gar nicht das Ziel des Blogs. Der Blog sollte die Kommunikation zwischen Politiker und Bevölkerung fördern. Stattdessen regt sich die Medienwelt darüber auf, dass die Finanzierung von peerblog durch anonyme Unternehmer vonstattenging. Das ging sogar soweit, dass der Bundestag die Finanzierung des Blogs prüfen ließ.

Transparenz ist sicherlich ein unentbehrlicher Aspekt in der Politik. Aus diesem Grund schien diese Prüfung auch ok. Hätte sich herausgestellt, dass peerblog durch Parteispenden finanziert worden ist – die Prüfung erfolgt(e) gerade durch den Bundestag – hätte sie sich zwar gelohnt, aber das Gezeter wäre sehr wahrscheinlich weiter gegangen. Hätte sich der Verdacht aber nicht bestätigt – und Steinbrück stritt dies vehement ab – wäre die Aufregung über den Blog auch in diesem Fall wahrscheinlich trotzdem weiter gelaufen. War sie also wirklich gerechtfertigt?

Der Druck war mittlerweile so groß, dass viele Nachrichtenmagazine davon ausgangen sind, Steinbrück würde die Investoren nun freiwillig nennen. Aber was wäre danach passiert? Hätte er die Namen genannt, wäre dann weiter auf Ihnen rumgehakt worden? Was bringt das eigentlich? Interessieren denn niemanden mehr die Inhalte, welche mit dem Projekt vermittelt werden sollten?

Peerblog wurde mit der Intention aufgesetzt, Peer Steinbrück zu präsentieren und zu kommentieren. Damit ist aber nicht gesagt, dass alles von Herrn Steinbrück glorifiziert worden wäre. In der Tat wurde es das nicht. Medien sind doch immer einer Art Filter unterlegen, die die Auswahl der Nachrichten bzw. Themen beeinflussen. Natürlich kann das positive als auch weniger positive Nachrichtenvermittlung bewirken. Das Schlimme ist irgendwie nur, dass meist gleich eine riesige Kampagne dahinter vermutet wird, wenn eine einflussreiche Person begleitet wird. Eins ist doch klar, Steinbrück ist Kanzlerkandidat der SPD geworden, weil er Deutschland leiten möchte. Warum ist es also falsch, wenn ihn bestimmte Medien dabei unterstützen? Ist es nicht naiv zu glauben, dass Medien absolut objektiv berichten?

Ein weiteres Ziel des Blogs war es, den Austausch zwischen dem Politiker und der Bevölkerung zu fördern. Wenn man eine Kritik ansetzen möchte, dann wohl eher hier – inhaltlich sozusagen. Blogger Klaus Eck kritisiert beispielsweise, dass die Redakteure nicht genügend auf die Anmerkungen der Leser reagierten. Damit sei das Ziel des Austauschs nicht sonderlich gut erfüllt worden. Außerdem findet Eck die Autorenprofile nicht ausreichend dargestellt. Gerade bei einem Blog würden die Leser die Verbindung bzw. die Motivation für das Themengebiet erfahren wollen.

Und nun, nun ist peerblog abgesetzt, finito, ende und aus. Hackerangriffe sollen dazu geführt haben. Aber nach diesem ganzen Medienausschrei ist das auch nicht verwunderlich. War es das wirklich alles wert?

 

(Foto: Viel Lärm um nichts (c) Benjamin Thorn/pixelio.de)

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